Ich glaube jeder hat schon einmal das schmerzhafte Gefühl von Seitenstechen verspürt. Wie aus dem Nichts taucht der Schmerz auf. Aber wie wird man ihn wieder los?
Die Liste der möglichen Ursachen zieht sich. Ich mach’s kurz.
Die Milz hat, wie jahrzehntelang behauptet, meiner Meinung nach nix damit zu tun. Das etwa faustgroße lymphatische Organ liegt im linken Oberbauch und presst, bei starker körperlicher Belastung, entsprechend mehr frisches Blut in die Arterien. Fällt diese Milzkontraktion zu heftig aus, kann das die empfindlichen Nervenendigungen im Bauchraum reizen.
Aber warum treten die Schmerzen auf der rechten Körperflanke genauso häufig auf? Ob die dort ansässige Leber ebenfalls den gleichen Mechanismus auslöst?
Logischer für mich ist die Schuld beim Zwerchfell zu suchen. Zentral im Oberbauch gelegen, trennt das Zwerchfell den Brust- vom Bauchraum ab, teilt den Oberkörper sozusagen in zwei Hälften. Oben liegen allen voran die wichtigen Versorgungsorgane, die Lunge und das Herz, dessen Spitze quasi in das Zwerchfell hineinragt. Unterhalb sind die großen Verdauungsorgane, Magen und Darm sowie rechts die Leber und links die Milz. Das Zwerchfell ist eine kuppelartige Muskel-Sehnen-Platte. Es ist der wichtigste Atemmuskel, der 60 bis 80 Prozent der für die Atmung erforderlichen Muskelarbeit leistet und für die so genannte Bauchatmung verantwortlich ist.
Aber wie kann das Zwerchfell Seitenstechen verursachen? Bei ruhiger Atmung erfüllt das Zwerchfell seine Funktion sehr harmonisch, man atmet gleichmäßig aus und ein. Wird die Atmung durch schnelles Reden oder sportliche Anstrengung unregelmäßig oder hastig, verliert die Zwerchfellmotorik ihren gleichmäßigen Rhythmus. Das kann in schmerzhaften Verkrampfungen gipfeln. Durch seine zentrale Bauchhöhlenlage mit den engen Verbindungen zu den großen Bauchorganen strahlen die Schmerzen in beide Körperflanken aus. Die stichartigen Schmerzen resultieren aus der hohen Dichte sensibler Schmerzrezeptoren.
Es kursieren noch ganz andere Theorien zum Phänomen des Seitenstechens. Ob Zwerchfell, ob Milz, ob Sauerstoffmangel oder Organreizung, möglicherweise sind viele Faktoren irgendwie beteiligt.
Was hilft nun und wie kann man vorbeugen? Schmerzen sind immer ein Warnsignal, dass irgendetwas falsch läuft, beim Seitenstechen betrifft das die Atmung. Das ein gewissenhaftes Aufwärmen sowie der Verzicht auf schwere Speisen vor dem Training der Vermeidung von Seitenstechen dienlich sind, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Wenn man bewusst tief in den Bauch atmet, kann man das Risiko minimieren.
So schmerzhaft der Stich in die Flanken auch sein mag, gefährlich ist das ganze jedenfalls nicht, Spätfolgen sind nicht zu befürchten. Erste Hilfe gegen Seitenstechen wäre: die Belastung unbedingt herunterfahren, nicht reden und sich Strecken, um sich zu entkrampfen.